„Man hat richtig gemerkt, dass die Schüler Interesse an Forschung haben“

Der Kernphysiker Dominik Koll stand Schüler*innen bei I’m a Scientist Rede und Antwort. Das Foto zeigt ihn mit einer eine 25 Millionen Jahre alte Tiefsee-Kruste aus dem Pazifik. Foto: Research School of Physics, Australian National University

Dominik, warum hast du bei I’m a Scientist mitgemacht, was waren deine Erwartungen?

Ich habe durch eine E-Mail eines Kollegen von I’m a Scientist erfahren. Das Konzept hat mich sehr angesprochen. Der Kontakt zu der Bevölkerung, insbesondere Schülern, war mir schon immer sehr wichtig, um die in sich gekehrte Wissenschaft nach außen zu tragen und die Faszination für Forschung zu teilen. Da habe ich mich beworben, obwohl das spezifische Themengebiet nur an meine eigene Forschung angrenzt.

Was hat dich überrascht bei I’m a Scientist, was nimmst du mit?

Überraschend war die hohe Motivation der Schüler. Man hat richtig gemerkt, dass die Schüler Interesse an Forschung haben und das hat mich sehr beeindruckt. Das machte die Chats auch sehr kurzweilig und interessant. Ich kann I’m a Scientist nur empfehlen, besonders den Lehrkräften mit Schülern, die im Unterricht nicht interessiert wirken. Ich glaube man kann hierdurch das Interesse an Wissenschaft wecken.

Was antwortest du Schüler*innen, die sagen, Physik ist langweilig?

Ich würde sagen, dass kein Fach per se langweilig ist. Jede Disziplin hat interessante und eher langweilige Seiten. Das Schöne an Physik ist die Vielseitigkeit und die Grundsätzlichkeit. Man lernt die Zusammenhänge der Natur kennen und sieht die Umgebung dann mit anderen Augen. Und gerade in der Physik kann man den Fokus auf seine Interessen und Stärken legen.

War I’m a Scientist dein erster Kontakt mit Wissenschaftskommunikation?

Mit Schülern, ja. Ich hatte bereits einige Radio- und Zeitschrifteninterviews. Die waren aber allgemein für die wissenschaftlich interessierte Bevölkerung bestimmt. Der Kontakt mit Schülern erfordert aber eine andere Art der Kommunikation. Man muss Dinge anschaulicher und direkter vermitteln, Fachbegriffe sind hier oft nicht zielführend. Interesse wird auch durch (sprachliche) Nähe geweckt.

Dein Tipp für Wissenschaftler*innen, die gerne in der Wissenschaftskommunikation aktiv werden wollen?

Tu es. Wissenschaftskommunikation ist der Schlüssel für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft und ein wichtiges Mittel gegen Falschinformationen. I’m a Scientist setzt hierbei schon bei den Schülern an, was eine sehr wichtige Zielgruppe ist. Aber jede Art von Wissenschaftskommunikation ist wichtig.

Hast du schon Pläne, was du mit dem Preisgeld machen willst?

Mein Plan zu Beginn dieser Themenrunde war, dass ich mit dem Geld an eine Schule reise und mit den Schülern vor Ort sprechen kann. Ich möchte mit anschaulichen Mitteln, wie zum Beispiel einer 25 Millionen Jahre alten Tiefseekruste, die ich mitbringe, den Schülern zeigen, was man mit Wissenschaft erreichen kann. Die Umsetzung davon, gerade bei steigenden Covid-Zahlen, muss ich noch überdenken. Aber es findet sich schon ein Weg.

Dominik Koll

Dominik Koll ist Doktorand an der Australian National University und der TU Dresden und arbeitet am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Er untersucht natürliche Proben auf deren Gehalt von radioaktiven Elementen aus Sternexplosionen. Seine Forschung umfasst nukleare Astrophysik, Umweltphysik sowie nukleare Abfalluntersuchungen mittels Beschleuniger-Massenspektrometrie.

Dieser Beitrag ist ursprünglich am 26. November 2021 auf dem Blog von Wissenschaft im Dialog erschienen.

Posted on Dezember 6, 2021 by modalissa in News. Kommentieren

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